9 Gründe, warum Selbstständige oft weniger Geld haben als sie denken

Am Anfang meiner Selbstständigkeit habe ich mich deutlich reicher gefühlt als ich wirklich war. Die Realität hat mich dann aber ziemlich schnell eingeholt.

Ich weiß, dass der Aufprall an der nüchternen Wirklichkeit nicht immer ein Vergnügen ist. Deswegen sammle ich hier neun Aspekte, die Selbstständigen helfen können, ihren Kontostand besser einzuschätzen:

1. Steuern

Das ist wohl der Klassiker. Im Gegensatz zum Angestellten muss der Selbstständige sein Einkommen selbst versteuern. Vor allem am Anfang und in Zeiten steigender Einnahmen liegt dann mehr Geld auf dem Konto als einem eigentlich gehört.

Mir ist das einmal passiert, dass mich eine knapp fünfstellige Gewerbesteuer-Forderung böse überrascht hat. Inzwischen weiß ich, wie viel Geld ich ungefähr für die Steuern zurücklegen muss.

2. Zahlungsausfall

Als Angestellter trudelt das Geld sehr regelmäßig auf dem Konto ein. Als Selbstständiger ist es deutlich normaler, dass ein Auftraggeber mal nicht zahlen will – sei es, weil er mit der Leistung nicht zufrieden ist, oder weil er Liquiditätsschwierigkeiten hat. Glücklicherweise ist mir das bisher noch nie passiert.

Aber ich musste schon sehr lange auf mein Geld warten. Gerade als mir das Finanzamt mit einer größeren Forderung im Nacken saß, war das schon ärgerlich. Also hilft auch hier, einen kleinen Puffer auf dem Konto zu haben, damit die Überraschung dann nicht so schlimmt ist.

3. Auftragsflaute

Gerade jetzt in der Zeit einer drohenden Rezession kann eine Auftragsflaute schon einmal vorkommen. Wenn Unternehmen sparen müssen, vergeben sie weniger Aufträge an externe Dienstleister. Dadurch haben viele Selbstständige weniger Arbeit. Dieser Einkommensabfall wird nicht durch Kurzarbeitergeld abgefedert, das momentan für Angestellte auf 87% des Nettoeinkommens erhöht wird.

Auch die ganz reguläre Arbeitslosigkeit trifft Selbstständige hart, da sie kein Arbeitslosengeld I bekommen (es gibt ein paar wenige Ausnahmen). Da hilft nur, genug Geld für Auftragsflauten zurückzulegen. Das mache ich auch erst seit diesem Jahr.

4. Krankheit

2018 waren Angestellte im Durchschnitt 18,5 Tage krank, in denen sie normalerweise ihr Gehalt weitergezahlt bekommen. Bei mir als Selbstständigen ist das anders: Wenn ich krank bin, kann ich nicht arbeiten und bekomme kein Geld.

Glücklicherweise bin ich sehr selten krank und deswegen hatte ich das auch nicht so auf dem Schirm. Aber wenn mich eine unangenehmene Krankheit zu einer drei-monatigen Auszeit zwingen sollte, dann möchte ich wenigstens genug Rücklagen haben, damit mich nicht das Finanzielle noch zusätzlich stresst.

Dabei versuche ich nicht zu vergessen, dass die beste Absicherung gegen lange Krankheiten nichts Finanzielles ist, sondern ein gesunder Lebensstil: Genug Bewegung und Schlaf, eine gesunde Ernährung und nicht zu viel Stress.

5. Erwerbsunfähigkeit

Eine Krankheit führt im schlimmsten Fall nicht nur zu einer längeren Pause, sondern in die Erwerbsunfähigkeit. Angestellte fallen dann nicht in die Grundsicherung, sondern bekommen von der gesetzlichen Rentenversicherung eine Erwerbsminderungsrente.

Selbstständige müssen sich aktiv für eine Absicherung gegen Erwerbsunfähigkeit entscheiden – sei es über eine Berufsunfähigkeits- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung, oder gleich über eine freiwillige Pflichtversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung.

Ich habe mich hier für eine Ewerbsunfähigkeitsversicherung entschieden, weil sie deutlich günstiger als die Berufsunfähigkeitsversicherung ist und die genaue Definition des Berufs bei mir schwierig ist. Das muss jedoch jeder selber für sich entscheiden. Wichtig ist nur, diesen Posten zu bedenken und bei der Berechnung des eigenen Stundensatzes zu berücksichtigen.

6. Altersvorsorge

Am Anfang meiner Selbstständigkeit habe ich noch nicht daran gedacht, was in mehr als 35 Jahren sein wird. Aber inzwischen lege ich monatlich einen festen Betrag für die Altersvorsorge zurück.

Für Angestelle wird monatlich 18,6% des Bruttogehalts in die gesetzliche Rentenversicherung einbezahlt (9,3% vom Arbeitnehmer und 9,3% vom Arbeitgeber). Diesen Betrag finde ich einen guten Ankerpunkt, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie viel man selbst monatlich zurücklegen sollte.


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7. Steigende Kranken- und Pflegeversicherungskosten

Selbstständige haben das Privileg, zu Beginn zwischen privater und gesetzlicher Kranken- und Pflegeversicherung wählen zu können. Auch wenn die private Krankenversicherung anfangs oft günstiger sind, werden sie im Alter teurer.

Bei mir ging es jetzt auch schon los: 10 € mehr pro Monat für die Pflegeversicherung. Das sind gleich 120 € pro Jahr. Und ich bin 33. Wirklich bitter wird es wohl ab 50 aufwärts.

8. Weiterbildung

Bei Angestellten übernimmt oft der Arbeitgeber Fort- und Weiterbildungskosten. Selbstständige müssen das selbst tragen.

Bei mir ist das meist ein dreistelliger Betrag, weil ich ein Fan von Online-Kursen bin und die oft verhältnismäßig günstig ist.

9. Urlaub

Noch etwas leichter Verdauliches zum Abschluss: Wenn Selbstständige Urlaub machen, verdienen sie kein Geld. Das ist eigentlich klar, aber zwischenzeitlich habe ich auch schon mal vergessen, dass noch finanziell magere Monate kommen, weil ich ein paar Wochen im Urlaub bin.

Der Nutzen dieser Liste

Diese Liste hilft nicht nur dabei, sich selbst über sein Einkommen klar zu werden, sondern ist auch eine Argumentationshilfe, wenn Auftraggeber über einen angeblich zu hohen Stundensatz klagen.

Gerade Auftraggeber, die nicht häufig mit Selbstständigen zusammenarbeiten, vergleichen einen Tages- oder Stundensatz mit dem Gehalt eines Angestellten. Dabei vergessen sie, welche Kosten und Risiken Selbstständige selber schultern müssen.

Zumindest ist das mir schon passiert und mir hat da Auklärungsarbeit geholfen.


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